06/2004 Lager für Privatkunden in Boxen
Höhne-Grass bietet neben Umzugsgeschäft ein Akten-Archiv und neu das SB-Lagerhaus an
In der Umzugs-Branche der Speditionen wird mit harten Bandagen gekämpft. Gut, wenn ein Unternehmen da so schnell nichts umhaut, weil es auf soliden Standbeinen steht. Diese Unternehmerische Philosophie hat der 1898 gegründeten Speditionsfirma Höhne-Grass an der Johannes-Kepler-Straße in den letzten Jahren bei Stagnation im Kerngeschäft Wachstum in dem neuen Bereich Aktenlagerung beschert. Ralf Stößel, der das Unternehmen 1992 als Geschäftsführender Gesellschafter mit seinem Schwiegervater übernahm, hat einen zweiten Markt erschlossen, an den hohe Wachstumshoffnungen geknüpft sind. Ein SB-Lagerhaus, mit dem sich Privatkunden, Unternehmen und Vereine buchstäblich Freiräume schaffen können. In Mombach, in Nachbarschaft der Phönixhalle, stehen auf 1430 Quadratmeter Grundfläche Boxen unterschiedlicher Größe zur Vermietung an, um der heimischen Raumnot abzuhelfen.
1,6 Umsatzmillionen in D-Mark wies das Unternehmen mit seinen damals 13 Mitarbeitern aus, als Stößel einstieg. Heute zählt Höhne-Grass 35 Mitarbeiter und bilanziert einen Umsatz von 2,7 Millionen Euro. Die Idee zur Aktenlagerung kam 1997 als ein Kunde nachfragte. Rasch wuchs das neue Unternehmenssegment. In Mainz sind inzwischen 40 Kilometer Akten kleiner und großer Unternehmen bei Höhne-Grass ausgelagert. Innerhalb von zwei Stunden garantiert der Spediteur den Zugriff, scannt die Daten oder faxt sie den Unternehmen zu, die allein aus rechtlichen Gründen gehalten sind, bestimmte Akten mehrere Jahrzehnte aufzubewahren. Die Nachfrage ist enorm, deshalb hat Höhne-Grass jetzt die Selztalhalle in Nieder-Olm angemietet, wo Kapazitäten für 90 Kilometer Aktenlänge vorhanden sind.
Den Service hat das Speditionsunternehmen inzwischen auch auf die Digitaltechnik ausgeweitet. Die Mitarbeiter von Höhne-Grass übernehmen den digitalen Archivaufbau, spezielle Tresoren stehen inzwischen zur Verfügung, in denen auch die Lagerung der elektronischen Datenträger möglich ist.
30 Prozent Anteil hat der Archivbereich mittlerweile am Gesamtumsatz mit steigender Tendenz. Bis zu zehn Prozent Umsatzanteil verspricht sich Ralf Stößel vom neuen Konzept des SB-Lagerhauses. Aus Großbritannien und Holland kommt die Idee, wo es bereits große Hallen mit Lagerboxen gibt, zu denen die Mieter jeweils mit eigenem Schlüssel Zutritt haben. Bei immer teurer werdenden Wohnungsmieten und immer kleiner werdenden Nutzflächen sowie Häusern ohne Unterkellerung verspricht sich Ralf Stößel auch in der Rhein-Main-Region einen boomenden Markt für Lagerboxen, in denen verstaut werden kann, wofür zuhause kein Platz mehr ist.
Ab zwei Wochen Mietzeit ist ein Kubikmeter Lagerraum für 13 Euro monatlich zu haben. Zur Einführung gibt’s sogar zwei Monate zum Preis von einem „Es läuft gut an, wir sind sehr zufrieden“, meint Ralf Stößel. Bis zu 300 Boxen können in die Lagerhalle eingebaut werden, in neun Größen stehen sie zur Verfügung. Das Kerngeschäft der Spedition befindet sich nach Einschätzung des Geschäftsführers noch immer in einer „sehr schwierigen Situation“. Die Branche befinde sich in einem Konsolidierungsprozess, die nach wie vor auch namhaften Mitbewerber zum Opfer fielen „Es sind all diejenigen, die die Möglichkeit mit anderen Standbeinen nicht haben“, so Stößel.
Höhne-Grass hat den Vorteil, mit zwei Unternehmen in Darmstadt und Griesheim kooperieren zu können, die der Unternehmerfamilie ebenfalls gehören. Durch Austausch von Mitarbeitern und Material lassen sich gegenseitig Leerläufe überbrücken. Dennoch bleibt das Geschäft vor allem auch an Internetbörsen mit Dumping-Preisen hart. „Leider ist es den Leuten oft egal, ob ausgebildete Leute den Umzug machen oder nicht. Den Schaden haben sie dann aber hinterher“, gibt Ralf Stößel zu bedenken.
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